Am 19. Mai 2026 fand an der Technischen Hochschule Rosenheim der ORANGEWERK-Workshop „Du bist mehr als dein Lebenslauf“ statt.
Gemeinsam mit der TH Rosenheim ging es um Bewerbung, Positionierung und die Frage, wie Studierende den Übergang vom Studium in den Beruf souveräner gestalten können.
Der Workshop bildete den Auftakt der Kooperation zwischen ORANGEWERK und der TH Rosenheim und setzte genau dort an, wo viele Studierende aktuell stehen: fachlich gut ausgebildet, aber im Bewerbungsprozess oft verunsichert.
Und diese Verunsicherung war spürbar. Nicht als Schwäche. Sondern als ehrliche Reaktion auf einen Bewerbungsmarkt, der sich in den letzten Jahren massiv verändert hat.
Viele Fragen der Teilnehmer drehten sich nicht um theoretische Karrierefloskeln, sondern um ganz konkrete Situationen: Wie gestalte ich meine Bewerbung richtig? Wie individuell muss ein Anschreiben heute sein? Wie nutze ich KI, ohne dass mein Text austauschbar klingt? Wie gehe ich mit Absagen um, wenn jede davon am Selbstbewusstsein kratzt? Und wie soll ich überhaupt wissen, was zu mir passt, wenn jede Stellenanzeige klingt, als müsse man gleichzeitig Projektmanager, Datenanalyst, Kommunikationsgenie und mental stets gut gelaunter Teamplayer sein?
Willkommen im modernen Bewerbungsprozess. Ein Ort, an dem viele motiviert starten und sich nach fünf Absagen fragen, ob sie vielleicht doch besser Alpakas in Südamerika hüten sollten. Verständlich. Aber meistens nicht nötig.
Die zentrale Erkenntnis: Bewerben ist kein Massenaussand mehr
Eine der wichtigsten Botschaften der Referentinnen Astrid Rethmann und Tina Kassel war klar: Die Zeiten, in denen man einen Lebenslauf und ein Standardanschreiben an möglichst viele Unternehmen verschickt hat, sind vorbei.
Das klingt zunächst anstrengend. Ist es auch ein bisschen. Aber es ist vor allem eine Chance.
Denn moderne Bewerbung bedeutet nicht, sich künstlich zu verkaufen. Es bedeutet, genauer hinzusehen: Welche Stelle passt wirklich? Welche Anforderungen bringe ich mit? Welche Erfahrungen aus Studium, Praktikum, Werkstudentenjob, Ehrenamt oder Projektarbeit zeigen, was ich kann? Und welche Sprache nutzt das Unternehmen selbst?
Gute Bewerbung beginnt deshalb nicht mit einer Vorlage. Sie beginnt mit Recherche.
Wer sich bewirbt, sollte die Stellenanzeige nicht nur überfliegen, sondern aktiv auswerten: Welche Aufgaben werden wiederholt genannt? Welche Kompetenzen stehen im Vordergrund? Welche Fachbegriffe tauchen auf? Welche Haltung vermittelt das Unternehmen? Genau hier entstehen die Keywords, die später in Lebenslauf, Kurzprofil und Anschreiben auftauchen sollten.
Das ist nicht nur für Menschen wichtig, sondern auch für digitale Bewerbungsprozesse. Viele Unternehmen nutzen Bewerbermanagementsysteme, auch ATS genannt. Diese Systeme helfen dabei, Bewerbungen zu strukturieren und bestimmte Informationen schneller auffindbar zu machen. Deshalb sollten Lebensläufe klar aufgebaut, gut lesbar und auf die jeweilige Stelle abgestimmt sein. Auch die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt, Bewerbungsunterlagen passend zur Stelle zu formulieren und KI-Texte immer kritisch zu prüfen, weil KI die eigene Person und Motivation nicht wirklich kennt.
KI kann helfen. Aber sie ersetzt keine Haltung.
Natürlich kam auch die Frage auf: Wie nutze ich KI sinnvoll für meine Bewerbung?
Die Antwort: als Werkzeug. Nicht als Ghostwriter für die eigene Persönlichkeit.
KI kann sehr hilfreich sein, um Gedanken zu sortieren, Formulierungen vorzuschlagen, Stellenanzeigen zu analysieren oder den eigenen Lebenslauf mit einer konkreten Ausschreibung abzugleichen. Sie kann helfen, aus Stichpunkten einen ersten Entwurf zu machen. Sie kann auch zeigen, welche Keywords in einer Anzeige besonders relevant sind.
Aber KI kann nicht wissen, was dich wirklich ausmacht. Sie kennt nicht den Moment, in dem du im Studienprojekt Verantwortung übernommen hast. Sie weiß nicht, warum dir ein bestimmtes Thema wichtig ist. Sie spürt nicht, wann ein Satz zwar professionell klingt, aber überhaupt nicht nach dir.
Genau deshalb war eine zweite Kernbotschaft des Workshops so wichtig:
Authentizität schlägt Bewerbungslyrik.
Ein Anschreiben muss nicht klingen, als hätte es ein Ausschuss aus Karriereportal, Unternehmensberatung und Motivationskalender formuliert. Es muss nachvollziehbar machen, warum du dich für diese Stelle interessierst, was du mitbringst und wie du denkst.
Oder einfacher gesagt: Nicht größer machen. Sichtbarer machen.
Erzähle von Erfolgen, nicht nur von Stationen
Viele Lebensläufe bestehen aus Stationen. Schule. Studium. Praktikum. Werkstudentenjob. Projekt. Nebenjob. Sprachkenntnisse. Softwarekenntnisse. Fertig.
Das Problem: Stationen allein erzählen noch keine Geschichte.
Ein Praktikum sagt zunächst nur, dass jemand irgendwo war. Spannend wird es erst durch die Frage: Was hast du dort gelernt, gelöst, verbessert, organisiert, analysiert, gestaltet oder verantwortet?
Genau hier liegt für viele Studierende ein riesiges Potenzial. Sie unterschätzen ihre Erfahrungen, weil diese für sie selbstverständlich wirken. Ein Gruppenprojekt im Studium? War halt Teil des Moduls. Eine Präsentation vor 60 Leuten? Musste man eben machen. Ein Nebenjob mit Kundenkontakt? Nichts Besonderes.
Doch für Arbeitgeber können genau diese Erfahrungen wertvoll sein. Sie zeigen Kommunikation, Belastbarkeit, Struktur, Eigeninitiative, Lernfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Im Bewerbungscoaching geht es deshalb oft um Übersetzung:
Aus „Ich habe bei einem Projekt mitgemacht“ wird: „Ich habe gemeinsam mit einem interdisziplinären Team eine Lösung entwickelt, Aufgaben koordiniert und Ergebnisse vor einer Gruppe präsentiert.“
Aus „Ich hatte einen Nebenjob“ wird: „Ich habe gelernt, in stressigen Situationen freundlich zu kommunizieren, Prioritäten zu setzen und zuverlässig Verantwortung zu übernehmen.“
Aus „Ich habe noch nicht so viel Berufserfahrung“ wird: „Ich bringe aktuelle Fachkenntnisse, Lernbereitschaft und erste praktische Erfahrungen mit, die ich gezielt weiterentwickeln möchte.“
Das ist kein Schönreden. Das ist professionelle Selbstklärung.
Absagen sind keine Diagnose
Ein besonders sensibles Thema im Workshop war der Umgang mit Absagen. Viele Studierende erleben Bewerbungsprozesse als emotional belastend. Man steckt Zeit, Hoffnung und Mühe in Unterlagen, schickt sie ab und erhält dann manchmal wochenlang keine Antwort. Oder eine standardisierte Absage. Oder eine Absage nach einem Gespräch, das sich eigentlich gut angefühlt hat.
Das kann am Selbstbewusstsein nagen. Vor allem, wenn man beginnt, jede Absage persönlich zu nehmen.
Aber eine Absage ist keine Diagnose über deinen Wert. Sie ist zunächst nur eine Entscheidung in einem bestimmten Auswahlprozess. Vielleicht war jemand mit mehr Praxiserfahrung dabei. Vielleicht gab es interne Bewerber. Vielleicht passte dein Profil knapp nicht zur Stelle. Vielleicht war die Ausschreibung schon halb vergeben, bevor sie online ging. Kommt vor. Ist unschön. Aber es ist nicht automatisch ein Urteil über deine Kompetenz.
Wichtig ist, Absagen nicht einfach wegzudrücken, sondern sie sinnvoll einzuordnen. Gibt es ein Muster? Kommen keine Einladungen, obwohl viele Bewerbungen rausgehen? Dann lohnt sich ein Blick auf Lebenslauf, Keywords, Stellenpassung und Anschreiben. Kommen Einladungen, aber nach Gesprächen Absagen? Dann liegt der Hebel eher bei Selbstpräsentation, Gesprächsstruktur oder Gehalts- und Rollenklärung.
Bewerbung ist ein Prozess. Kein Charaktertest.
Klarheit ist die Grundlage für Selbstbewusstsein
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Abends:
Selbstbewusstsein entsteht nicht dadurch, dass man sich einredet, großartig zu sein. Es entsteht durch Klarheit.
Wer weiß, was er kann, tritt anders auf. Wer verstanden hat, welche Erfahrungen relevant sind, schreibt anders. Wer erklären kann, warum eine Stelle passt, wirkt glaubwürdiger. Und wer nicht versucht, jedem Unternehmen zu gefallen, kann gezielter entscheiden.
Klarheit bedeutet dabei nicht, schon den perfekten Karriereplan für die nächsten 20 Jahre zu haben. Das wäre ohnehin mutig, wenn man bedenkt, wie schnell sich Berufsbilder, Technologien und Arbeitsmärkte verändern. Klarheit bedeutet eher: Ich kenne meine nächsten sinnvollen Schritte. Ich weiß, was ich ausprobieren möchte. Ich kann erklären, warum ich mich für eine Richtung interessiere. Und ich bin bereit, dazuzulernen.
Genau diese Haltung brauchen junge Menschen im Bewerbungsprozess heute. Nicht Perfektion. Sondern Orientierung, Reflexion und Mut zur Entscheidung.
Was Studierende konkret mitnehmen können
Für alle, die gerade Bewerbungen schreiben oder kurz davorstehen, lassen sich aus dem Workshop einige praktische Punkte ableiten:
- Lies Stellenanzeigen wie Arbeitsaufträge. Markiere Aufgaben, Anforderungen, Fachbegriffe und wiederkehrende Formulierungen. Genau dort findest du Hinweise für dein Profil.
- Passe Lebenslauf und Anschreiben gezielt an. Nicht alles neu erfinden, aber Relevantes nach vorne holen. Eine Bewerbung für ein Marketingpraktikum braucht andere Schwerpunkte als eine Bewerbung im technischen Projektmanagement.
- Nutze KI klug. Lass dir Struktur geben, Ideen sortieren oder Formulierungen vorschlagen. Aber prüfe jeden Satz: Klingt das nach mir? Stimmt das fachlich? Kann ich das im Gespräch erklären?
- Erzähle von Erfolgen. Nicht nur Aufgaben nennen, sondern Wirkung zeigen. Was hast du gelernt, verbessert, gelöst oder beigetragen?
- Nimm Absagen ernst, aber nicht persönlich. Analysiere, optimiere, bleib in Bewegung. Und hol dir Feedback, bevor du an dir selbst zweifelst.
ORANGEWERK und TH Rosenheim: Coaching dort, wo berufliche Wege entstehen
Der Workshop hat deutlich gezeigt, wie groß der Bedarf an praxisnaher Orientierung ist. Studierende brauchen nicht nur Informationen über Bewerbungsunterlagen. Sie brauchen Räume, in denen sie Fragen stellen können, ohne sich unwissend zu fühlen. Sie brauchen Feedback, das ehrlich und stärkend ist. Und sie brauchen Impulse, wie sie in einer zunehmend digitalen Bewerbungswelt sichtbar bleiben, ohne sich zu verbiegen.
Genau hier setzt ORANGEWERK an: mit Karrierecoaching, Bewerbungscoaching, Digital Coaching und Workshops, die fachliche Orientierung mit persönlicher Klarheit verbinden.
Denn am Ende geht es nicht darum, die perfekte Bewerbung zu schreiben. Es geht darum, eine Bewerbung zu entwickeln, die zur Stelle passt, durch digitale Systeme kommt und trotzdem menschlich bleibt.
Oder wie es der Titel des Workshops auf den Punkt bringt:
Du bist mehr als dein Lebenslauf.
Aber dein Lebenslauf darf ruhig anfangen, das auch zu zeigen.
3 Takeaways
1. Standardbewerbungen funktionieren immer seltener
Erfolgreiche Bewerbungen entstehen durch genaue Stellenrecherche, passende Keywords und eine klare Ausrichtung auf die jeweilige Position.
2. KI ist ein Werkzeug, keine Persönlichkeit.
KI kann beim Strukturieren, Formulieren und Analysieren helfen. Entscheidend bleibt aber, dass Bewerbungstexte authentisch, überprüfbar und individuell bleiben.
3. Absagen sagen nicht alles über dich aus.
Sie sind Teil des Bewerbungsprozesses. Wichtig ist, Muster zu erkennen, Unterlagen gezielt zu verbessern und das eigene Selbstbewusstsein nicht an automatisierten Rückmeldungen zu verlieren.
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